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Wirtschaftsbarometer M-V drittes Quartal 2010
Wirtschaftsbarometer M-V 3. Quartal 2010
Eigenkapitalschwäche bei Insolvenzkandidaten
Rostock, 06.10.2010
Mit einem BIP-Einbruch von 2,3 Prozent in M-V (fast 5 Prozent in Deutschland) und einem zeitweise äußerst erschwerten Kreditzugang mussten die Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr unter extremen Bedingungen wirtschaften. Dementsprechend hat der Anteil der eigenkapitalschwachen Unternehmen zugenommen, während solide finanzierte Firmen an Gewicht einbüßten.
Dass eine hohe Verschuldung die Finanzierungs- und Handlungsspielräume eines Unternehmens stark einschränkt, ist bekannt. Die Wirtschaftskrise von 2009 hat am Beispiel etlicher Unternehmen aus der Autozulieferbranche eindringlich gezeigt, wie schnell die große Last einer fast ausschließlichen Fremdfinanzierung ein Unternehmen in die Knie zwingen kann. Fällt ein starker Nachfragerückgang wie jüngst mit verschärften Finanzierungsbedingungen zusammen, können derart belastete Firmen ihrem Schuldendienst kaum mehr nachkommen und müssen Insolvenz anmelden.
In einer Studie der Creditreform Wirtschaftsforschung wurden die Jahresabschlüsse von knapp 800 insolventen Unternehmen des vergangenen Jahres mit einer repräsentativen Auswahl weiterhin aktiver Firmen verglichen. Das Ergebnis: Unternehmen, die 2009 in die Insolvenz rutschten, wiesen bereits in den Vorjahren erheblich schlechtere Bilanzkennzahlen auf als die Vergleichsgruppe. Die Analyse wirft zudem einen interessanten Blick darauf, wie dünn die Kapitaldecke der Krisenunternehmen war und wie stark die Kapitalpolster abgeschmolzen sind.

Mittelstand glimpflich durch die Krise gekommen
Ein Großteil des Mittelstandes in unserem Land ist glimpflich durch die Rezession gekommen. Die Krise war vielfach eine Krise der Konzerne – Kreditverknappungen im Segment der Großkredite erschwerten vor allem für große Unternehmen die Finanzierung. Zusammen mit dem im Frühjahr 2010 einsetzenden Konjunkturaufschwung verringerte sich die Ausfallgefährdung der Unternehmen wieder leicht. Dennoch, ohne Rückenwind und einer nachhaltigen wirtschaftlichen Belebung – insbesondere der Binnenkonjunktur – dürften viele Firmen Schwierigkeiten haben, ihre finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen. Somit gilt trotz aller Erfolge nach wie vor ein gehöriger Teil als zu schwach kapitalisiert. Die gegenwärtig gut laufende Konjunktur darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass erst 2011 das Jahr der Wahrheit sein dürfte.

Gründungsgeschehen schwächt sich ab – mehr Privatinsolvenzen als im Vorjahr
Insgesamt liegt die Gründungsquote in unserem Land unter dem bundesweiten Mittelwert. Damit erneuert sich der Unternehmensbestand in M-V deutlicher langsamer als in den Gebieten, die von einer hohen Gründungsintensität geprägt sind. Ursachen dafür sind zum Teil die schlechteren wirtschaftlichen Perspektiven aber auch der demografische Wandel. In den vergangenen drei Monaten haben sich die Gründungsaktivitäten wieder abgeschwächt. Die wieder bessere Lage am Arbeitsmarkt bietet potenziellen Gründern Alternativen zum Schritt in die Selbstständigkeit.
Im Trend sind die Privatinsolvenzen im Land weiter aufwärtsgerichtet: Auch wenn im vergangenen Quartal etwas weniger Verbraucher den Gang zum Insolvenzgericht antreten mussten, gegenüber dem Vorjahr sind weiterhin Zuwächse zu verzeichnen. In Rostock setzte sich zuletzt der Anstieg fort.
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