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BDIU prophezeit Pleitewelle
BDIU: Rezession sorgt für neue Pleitewelle bei Unternehmen – Mittelstand besonders gefährdet
Mecklenburg-Vorpommern, 08.05.2009
Der Modelleisenbahnhersteller Märklin, die Bekleidungsfirma Schiesser, der Porzellanhersteller Rosenthal oder der Autobauer Karmann – die Liste der Unternehmensinsolvenzen in diesem Jahr wird immer länger. Die weltweite Wirtschaftskrise wird nach Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU) in diesem Jahr 35.000 Unternehmen die Existenz kosten. Das wäre eine Steigerung um mehr als 8 Prozent gegenüber 2008 (29.291).
Vor allem Unternehmen kleiner und mittlerer Größe, die häufig familiär geführt seien, litten aktuell unter einer massiv schlechteren Ausstattung mit Liquidität, teilte der BDIU in der Frühjahrsumfrage mit.
Weitere Eintrübung im zweiten Halbjahr
Die Zahlungsmoral der Kunden hat sich hierzulande jetzt deutlich verschlechtert, wie die Inkassounternehmen berichten. Aktuell berichten bereits 43 Prozent der Befragten, dass sich die Rechnungstreue gewerblicher und privater Schuldner seit Herbst 2008 verschlechtert hat. Nur 7 Prozent berichten von einer Verbesserung.
In der Branchenumfrage erwarten 78 Prozent der Inkassounternehmen eine weitere Verschlechterung des Zahlungsverhaltens bis Ende 2010. Besonders problematisch ist das Zahlungsverhalten der Kunden in der Dienstleistungsbranche (63 Prozent der Inkassounternehmen melden das), im Handwerk insgesamt (56 Prozent) und im Baugewerbe (52 Prozent). Die vollen Auswirkungen der Rezession auf das Zahlungsverhalten seien voraussichtlich erst im zweiten Halbjahr 2009 zu spüren, wenn mehr Insolvenzen und höhere Arbeitslosigkeit zu einer Verknappung der finanziellen Mittel bei Verbrauchern und Unternehmen führen würden.
Dominoeffekt: Zahlungsausfälle verursachen weitere Zahlungsschwierigkeiten
Dabei funktioniere die schlechte Rechnungstreue wie ein Dominoeffekt: Wenn die eigenen Kunden schlecht zahlen, fehlt auch dem Gläubiger das Geld, um rechtzeitig seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. 80 Prozent der Inkassounternehmen nennen hohe Zahlungsausfälle bei eigenen Kunden als ursächlich, warum gewerbliche Schuldner Rechnungen aktuell nicht wie vereinbart begleichen.
Weitere Gründe sind momentane Liquiditätsengpässe aufgrund der Wirtschaftskrise (73 Prozent), eine schlechte Auftragslage (64 Prozent), zu wenig Eigenkapitalausstattung (56 Prozent) sowie das Ausnutzen des sogenannten Lieferantenkredits (51 Prozent).
Auf einem Sockel weiter steigender Privatverschuldung werden die Verbraucherinsolvenzen in diesem Jahr auf rund 110.000 Fälle ansteigen (2008: 98.140).
Häufige Gründe, warum private Schuldner aktuell in Zahlungsverzug geraten, sind Überschuldung (84 Prozent der Inkassounternehmen bestätigen das), Arbeitslosigkeit (76 Prozent), ein momentaner Liquiditätsengpass (58 Prozent) und ein absichtliches Versäumen vereinbarter Zahlungsfristen (52 Prozent).
Öffentlicher Sektor zahlt schlecht
Weiterhin problematisch ist nach Erfahrungen der Inkassounternehmen das Zahlungsverhalten öffentlicher Auftraggeber. 87 Prozent berichten, dass sich das ohnehin nicht besonders gute Zahlungsverhalten der öffentlichen Hand innerhalb der letzten sechs Monate nicht verändert hat. 12 Prozent haben sogar eine Verschlechterung beobachtet.
Darüber hinaus sei das Forderungsmanagement der öffentlichen Hand vielfach verbesserungsfähig. So summierten sich die offenen Forderungen alleine der Kommunen derzeit auf mindestens 12 Milliarden Euro – Geld, das nun fehle, um eigenen Zahlungsverpflichtungen schnell nachzukommen. Gleichzeitig seien auch sinkende Steuereinnahmen zu erwarten.
Die vollständigen Untersuchungsergebnisse finden Sie unter www.bdiu.de
Um sich die Analyse im PDF-Format (157 KB) vom Server des BDIU direkt auf Ihren Rechner zu laden, klicken Sie bitte hier.
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